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Altpreußischen, weniger des Lettischen beschäftigt und dazu publiziert haben. Spä-
testens seit den 80er Jahren änderte sich diese Situation grundlegend. Mit der Etablie-
rung der Baltistik als Studienfach an mehreren deutschen Universitäten (Münster,
seit 1968; München, Anfang der 80er Jahre; Greifswald, seit 1993), die erstmals die
akademische Ausbildung von Baltisten erlaubt, bestimmen zunehmend Fragen in
eigener Sache die Diskussion. Auf der Suche nach dem Selbstverständnis von Baltis-
ten wird zunehmend folgenden Fragen nachgegangen: Was ist Baltistik? Was will,
was kann, was soll die Baltistik in Deutschland leisten? Der Begriff der Baltistik lässt
sich damit nicht mehr auf den Aspekt der Forschung beschränken, sondern verlangt
in gleicher Weise die Einbeziehung des Aspekts der Lehre.
Diesem Anliegen war ursprünglich auch die Tagung in Eichstätt verpflichtet.
Wie der Herausgeber betont, sollten verschiedene Aspekte der Lehre im Bereich der
Baltistik betrachtet werden (S.11). Daß diese insbesondere den Erfordernissen der
institutionalisierten Baltistik Rechnung tragende Schwerpunktsetzung im Vorfeld
der Tagung zugunsten einer reinen Bestandsaufnahme der derzeitigen Forschungs-
situation auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Beschäftigung mit den baltischen
Sprachen (S.11) aufgegeben wurde, ist bedauerlich.
Aspekten der Lehre sind dementsprechend nur noch wenige Beiträge verpflichtet.
Jochen D. Range umreißt in seinem Beitrag Philologisch-sprachwissenschaftliche Auf-
bereitung und Edition altlitauischer Texte (S.151164) der Titel lässt den Spagat,
sowohl den Aspekt der Lehre als auch den Aspekt der Forschung in einem Beitrag
unterzubringen, nicht erkennen die Festpunkte eines Baltistik-Curriculums. Bemer-
kenswert ist in diesem Zusammenhang dessen Interpretation des Baltistikbegriffes.
Jochen D. Range versteht die Baltistik nicht wie vielfach üblich als Summe der
Einzeldisziplinen (Prussistik, Lituanistik, Lettonistik). Vielmehr will er sie als verglei-
chende (deskriptive/kontrastive/areale und/oder historisch-vergleichende) Disziplin
verstanden wissen, die interdisziplinär ausgerichtet sein muß. Im Hinblick auf die
baltistische Ausbildung betont Jochen D. Range, dass weiterhin das Fach Baltische
Philologie mit den Schwerpunkten Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft und Län-
derkunde im Mittelpunkt stehen sollte. Auf Defizite an Lehr- und Arbeitsmitteln für
deutschsprachige Studierende wiesen neben Jochen D. Range auch Alfred Bammesber-
ger und Frank Heberlein in ihren Beiträgen Ein neues Wörterbuch Litauisch-Deutsch
(S.315318) und Aufgaben einer synchronen komparativen Baltistik(S.331344) hin.
Aber auch die Bestandsaufnahme der derzeitigen Forschungssituation der Baltis-
tik gestaltet sich anhand der Beiträge schwierig. Was der Band bietet ist weniger eine
Bestandsaufnahme der Forschungssituation, aus deren Analyse, wie der Titel es
ausweist, Aufgaben und Methoden baltistischer Forschung formuliert werden sollen,
als vielmehr eine Präsentation von Ergebnissen baltistischer Forschung. In ein forma-
les Schema gepresst Baltisch, Altpreußisch, Litauisch, Lettisch, übergreifende Fra-
gestellungen reicht hier das Spektrum der Beiträge von fundierten, problemorien-
tierten Forschungsberichten wie etwa von Nikolai Mikhailov Baltische Mythologie.
Der aktuelle Zustand der Forschung: Probleme und Perspektiven (S.409416) bis zu
sehr speziellen Einzeluntersuchungen wie dem Beitrag von Ojârs Buðs Eine Streit-
frage der lettischen Namenskunde (Ortsnamen mit Paun-) (S.371376).
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