302 Archivum Lithuanicum 2
Arbeitsmittel für eine weiterführende Forschung, wie etwa eine Grammatik zu
Daukða oder ein Altlitauisches Wörterbuch noch immer fehlen.
Die dritte Säule der Baltistik (neben baltistischer Linguistik und baltischer Philolo-
gie), die baltistische Literaturwissenschaft wird in der deutschsprachigen Baltistik gern
ausgeklammert, und das, obwohl sie in der Lehre einen gleichberechtigten Platz neben
der baltistischen Sprachwissenschaft einnimmt. Die Beiträge zur baltischen (litaui-
schen) Literatur von Friedrich Scholz Zum Problem des Zeitpunkts der Entstehung
einer Eigenständigen Schönen Literatur in den Ländern des Baltikums (S.387400)
und Liane Klein Aspekte der Vermittlung eines baltischen Literaturverständnisses
(S.401408) sind im vorliegenden Band dementsprechend wenig zutreffend unter der
Überschrift Übergreifende Fragestellungen (will heißen: Sonstiges) zusammen mit der
Mythologie und Folklore am Ende des Bandes angeführt. Die periphere Rolle der
Literaturwissenschaft innerhalb der deutschsprachigen Baltistik sollte überdacht wer-
den. Der Mechanismus der universitären Mitvertretung funktioniert hier nur aus-
nahmsweise, wie etwa bei Friedrich Scholz, denn für Literaturwissenschaftler anderer
Philologien erweisen sich die Sprachschranken als unüberwindlich seitdem es nicht
mehr opportun ist, litauische und lettische Literatur über das Russische zu rezipieren.
Um die Baltistik voranzubringen, um sie konkurrenzfähig zu machen, muß es
in Zukunft darum gehen, die oben aufgezeigten Defizite abzubauen und For-
schungslücken zu schließen. Dies wird nur über eine gezielte Forschungsplanung
und die Intensivierung der Forschungskooperation möglich sein, wobei dem wis-
senschaftlichen Nachwuchs eine besondere Rolle zukommen wird.
Damit aber der wissenschaftliche Austausch die Forschung voranbringen kann,
muß die bisherige Konferenz- und Publikationspraxis überdacht werden. Grundlage
für eingereichte Beiträge sollten im Vorfeld formulierte Fragestellungen sein, deren
Lösung einen Erkenntnisgewinn verspricht. Weshalb sollte das, was für die Naturwis-
senschaften selbstverständlich ist, nicht auch endlich in der Baltistik Anwendung
finden. Leider ist es in der Baltistk immer noch üblich, eine möglichst große Anzahl von
Belegen zu einer Fragestellung zusammenzutragen und diese in den Publikationen
auszubreiten, ohne daraus wissenschaftlich relevante Ergebnisse zu gewinnen. Daten-
sammlungen werden somit vielfach mit wissenschaftlichen Ergebnissen verwechselt.
In dieser Hinsicht wünscht man sich von Organisatoren baltistischer Konferenzen und
Herausgebern entsprechender Publikationen eine kritischere Herangehensweise.
Die hier geäußerten Gedanken sollten nicht Anlaß zur Resignation geben. Viel-
mehr seien alle Beteiligten ermuntert, Beiträge zur fruchtbaren Diskussion der
Aufgaben, Methoden und Perspektiven der Baltistik (nicht nur in der Bundesrepu-
blik) zu leisten.
Christiane Schiller
CHRISTIANE SCHILLER Gauta 2000 m. balandþio 28 d.
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald Priimta 2000 m. geguþës 11 d.
Institut für Baltistik, Domstr. 9/10
D-17487, Greifswald, Deutschland
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